Jetzt muss sich Industrie 4.0 in der Praxis bewähren

Die Ingenics AG hat sich zwei Jahre lang intensiv mit der Digitalisierung der Produktion beschäftigt und mit einer Studie reichlich Aufsehen erregt

Jetzt muss sich Industrie 4.0 in der Praxis bewähren
Miteinander von Mensch und Maschine (Bildquelle: Alexandra Ignatyeva, Shutterstock)

(Ulm) – Als die Vorstände der Ingenics AG 2013 „Industrie 4.0“ zum Schwerpunktthema für die kommenden Jahre wählten, wussten sie sehr genau was sie taten. Im Interesse ihrer Beratungskunden und des gesamten Industriestandorts wurde die umfassende Digitalisierung in den Fokus aller Unternehmungen gestellt. Ein Jahr nachdem die groß angelegte Studie von Ingenics und dem Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) zu den Auswirkungen der Digitalisierung auf die Arbeitswelt vorgestellt wurde, ziehen CEO Oliver Herkommer und seine Industrie 4.0-Experten eine Zwischenbilanz.

Mit der Studie „Industrie 4.0 – Eine Revolution der Arbeitsgestaltung – Wie Automatisierung und Digitalisierung unsere Produktion verändern werden“ führten die Ingenics AG und das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation vor Augen, in welchem Umfang und in welchen Bereichen die systematische Digitalisierung die Arbeitswelten verändern wird. Aus der Befragung von Produktionsverantwortlichen in deutschen Industrieunternehmen ließen sich wichtige Anregungen für die weitere Beschäftigung mit dem Thema ableiten.

Inzwischen führt die fortschreitende Digitalisierung zu immer deutlicher sichtbaren Veränderungen. Nachdem in zunehmendem Maße auch Mittelständler akzeptieren, dass Industrie 4.0 keineswegs ein geschlossenes Konzept ist, sondern der Einstieg mit kurzfristig wirksamen Einzelmaßnahmen bereits erhebliche Erfolge bringen kann, schreitet die intelligente Vernetzung schneller voran, als viele es für möglich hielten. Immense Effizienzsteigerungspotenziale in allen Bereichen von Produktion, Logistik und Supply Chain wurden ausgemacht. Ihre Bearbeitung hat begonnen – aber Hemmnisse gibt es immer noch.

Industrie 4.0 verändert die Industrie grundsätzlich

CEO Oliver Herkommer und seine Industrie-4.0-Experten konnten seit Veröffentlichung der Studie bei vielen Gelegenheiten deutlich machen, dass und wie die „Smart Factory“ (so die internationale Bezeichnung) die Industrie grundsätzlich verändern wird. Einladungen zu Vorträgen auf Kongressen und Symposien häufen sich. Die Relevanz der Thematik ist inzwischen weit über die Vorstandsetagen hinaus offensichtlich geworden – entsprechend hat sich auch die Erwartungshaltung an die Digitalisierung und Automatisierung im Blick auf die industrielle Wertschöpfung verändert. Heute kann man sagen, dass der Entschluss, die ganze Wertschöpfungskette mit Informations- und Kommunikationstechnologien auszustatten, die Industrie auf neue Grundlagen stellen wird. Welche Rolle der Wirtschaftsstandort Deutschland dabei spielen kann, ist freilich noch lange nicht ausgemacht. Ob der Anspruch, Leitmarkt zu werden, eingelöst werden kann, dürfte entscheidend davon abhängen, wie konsequent Politik und Verbände am Ball bleiben, um den Unternehmen faire Wettbewerbsbedingungen zu sichern.

Das durchweg positive Echo auf die o. g. Studie stimmt die Verantwortlichen bei Ingenics optimistisch. „Das Interesse von Politik, Wirtschaft und Medien war und ist enorm“, sagt Oliver Herkommer, der als Professor an der Hochschule Neu-Ulm regelmäßig Gelegenheit hat, sich mit künftigen Führungskräften auseinanderzusetzen. „Ich denke, dass wir jetzt an einem Punkt angelangt sind, an dem wir endgültig die als ,Enabler“ für die Weiterentwicklung von Fertigungssystemen durchaus wichtige Diskussion über den Begriff Industrie 4.0 hinter uns lassen sollten.“ Dieser Begriff werde bereits überstrapaziert und viele Dinge, die gar nicht in das Themenfeld gehören, würden unter dem Label Industrie 4.0 verkauft. „Die Beleuchtung eines Arbeitsplatzes nach aktuellen arbeitswissenschaftlichen Erkenntnissen beispielsweise hat mit Industrie 4.0 überhaupt nichts zu tun“, so Oliver Herkommer. „Viel wichtiger ist, dass wir jetzt feststellen können, dass sich inzwischen fast alle mittelständischen Unternehmen mit dem Thema beschäftigen.“

Umsetzung mit der Strategy Roadmap

Bei Ingenics sieht man sich beispielsweise dadurch bestätigt, dass ein als besonders innovativ geltender Mittelständler wie der Motorsägenhersteller Stihl die Ingenics IAO Studie als Benchmark genommen hat, um zu sehen, wo das Unternehmen selbst in Bezug auf Industrie 4.0 steht. Mit den Ergebnissen soll dann möglichst schnell und präzise ein Maßnahmenpaket definiert werden.

Um Kunden und Interessenten in solchen Situationen umgehend kompetente und nachhaltige Unterstützung anbieten zu können, hat Ingenics ein neues Beratungsprodukt entwickelt, das sich inzwischen in Projekten bewährt hat. „Unter Einsatz unserer Strategy Roadmap bringen wir den Kunden in die Lage, zu ermitteln, welche Elemente der Industrie 4.0 für sein Unternehmen wichtig sind“, erklärt Oliver Herkommer. „Wo man noch vor wenigen Jahren gesagt hat, wir bauen jetzt mal eine neue Fabrik und erst im Laufe der Zeit feststellen konnte, wie sich Produktionskapazitäten, Stückzahlen etc. im Detail entwickelten, leiten wir jetzt aus der Strategy Roadmap effiziente Unternehmensstrategien ab und stellen dabei fest, an welcher Stelle Elemente der Industrie 4.0 das Wertschöpfungssystem optimieren können.“

Dr. Jens Nitsche, Ingenics Partner und Leiter R&D warnt allerdings vor Aktionismus. „Definitiv unsinnig wäre es, Industrie 4.0 in allen Facetten mit Gewalt in ein Unternehmen zu drücken, wenn sich der Bedarf nicht aus dem Geschäftsmodell herleiten lässt.“ Er rät Unternehmen, erst einmal auf die vor- und nachgelagerten Bereiche zu schauen und festzustellen, wo in der Kette man positioniert ist und welche Maßnahmen konkret einzusetzen sich lohnt. „Wenn ein Mittelständler Bestandteil der Wertschöpfungskette eines OEMs ist, empfehle ich, schnellstens in den Dialog darüber zu gehen, welche Punkte gemeinsam gestaltet werden können.“ Die Diskussion der Studie habe gezeigt, dass es einen riesigen Bedarf gebe, das Thema für die Anwendungsfälle in einzelnen Branchen und Betrieben zu strukturieren. „Die größeren Unternehmen haben mit Piloten, Task Forces und Abteilungen angefangen, das Thema für sich auszuprägen.“ So sei man vielerorts in der Findungsphase und stelle nun die Fragen nach Datensicherheit, Transparenzverlust und Absicherung des Geschäftsmodells.

Frühphase der Realisierung: Mut und erfolgreiche Piloten

Die Ingenics Eigenentwicklung Strategy Roadmap basiert auf einem Spinnendiagramm, das die Darstellung der für die Einführung von Industrie 4.0-relevanten Methoden verschiedenste Ausprägungen und Gewichtungen ermöglicht. „Mit diesem Instrument kann jedes Unternehmen seine spezifische Position finden“, erklärt Andreas Hoberg, Partner und Director Business Unitbei der Ingenics AG. „Allerdings können die Unternehmen nicht einen Hebel umlegen und auf Industrie 4.0 umstellen, sie müssen sich herantasten.“ Bosch etwa mache das mit Hilfe von Big-Data-Analysen, um aus Vergangenheitswerten im Produktionsumfeld signifikante Verbesserungen abzuleiten. „Auch bei anderen Unternehmen sehen wir immer mehr Mut und erfolgreiche Pilotumsetzungen“, so Andreas Hoberg.

Vor einem Jahr waren zwar jede Menge Projekte angedacht, aber noch fast nichts realisiert. Im Vergleich dazu kann man jetzt von einer Frühphase der Realisierung sprechen. „Dennoch wäre es übertrieben, schon vom ,Game-Changer Industrie 4.0″ zu reden, vielmehr sehen wir immer mehr punktuelle Lösungen einzelner Probleme, die mit den Möglichkeiten angepackt werden, die Industrie 4.0 bietet“, sagt Oliver Herkommer. „Ein Hauptunterschied zu früheren Digitalisierungsoffensiven besteht darin, dass man keine isolierten Insellösungen mehr schafft, sondern von Anfang an systematisch und vernetzt denkt und handelt.“

Auch die Daimler AG habe inzwischen über die gesamte Wertschöpfungskette Industrie 4.0-Themen identifiziert, etwa um das an bestimmten Standorten für bestimmte Modellreihen aufgebaute Know-how auch für andere Standorte und Modellreihen zu nutzen. „Wir sehen aber immer weder das Problem, dass die Datentransparenz in der Zuliefererkette nicht so realisiert wird, wie es technisch und organisatorisch wünschenswert wäre, deshalb kommen die großen Hebel zur Optimierung noch nicht im möglichen Maß zur Geltung“, sagt Oliver Herkommer. Vielen Zulieferern der zweiten und dritten Ebene fehlten überdies die finanziellen Spielräume, um digital aufzurüsten.

Das Thema Datensicherheit kann zum „Blocker“ werden

An einigen Stellen scheint das Misstrauen der Digitalisierung noch im Wege zu stehen. Auch im Bereich der Luftfahrt, wie Andreas Hoberg immer wieder erlebt. „Der OEM zögert oft, mehr Datentransparenz zuzulassen, die der Zulieferer aber brauchen würde; das Thema Datensicherheit ist der große Blocker.“

Die Entwicklung werde sich aber keinesfalls zurückdrehen lassen. Oliver Herkommer und seine Experten werden ihr Möglichstes dazu beitragen, dass deutsche Unternehmen jeder Größe aus ihrer guten Ausgangslage Erfolgsgeschichten machen. „Wir werden mit Hilfe der Strategy Roadmap belegen, dass die Entwicklung reif ist für viele Elemente der Industrie 4.0 und dazu beitragen, diese Elemente auch bei Mittelständlern so zu implementieren, dass sie weder überfordert sind, noch den Anschluss verpassen.“

Als international aufgestelltes technisches Beratungsunternehmen richtet Ingenics den Blick selbstverständlich über den Tellerrand hinaus. Ob es der deutschen Industrie insgesamt gelingen wird, mittel- und langfristig eine Vorreiterrolle bei der „Smart Factory“ zu übernehmen, ist noch lange nicht entschieden – bei Ingenics ist man jedenfalls fest entschlossen, über alle Grenzen hinweg in der ersten Reihe mitzuspielen. „Wie groß das Interesse ist, haben wir unlängst in Shanghai erlebt, wo wir mit Persönlichkeiten aus internationalen Unternehmen, darunter zwei Drittel Chinesen, diskutiert haben“, sagt Oliver Herkommer. „Ein Professor der Deutsch-Chinesischen Hochschule für Angewandte Wissenschaften an der Tongji-Universität, der ein Smart Factory Lab leitet, erklärte den chinesischen Weg von der Idee zur Praxis.“ Mit seinem Ansatz, das Produktdatenmanagement und die Produktionsplanung und -steuerung auf eine integrierte Plattform zu bringen, habe Prof. Chen Ming die Strategie „Made in China 2025“ im Sinne der dortigen Politik vorangetrieben, um nach dem Abschied vom Status des Billiglohnlandes als Produktionsstandort attraktiv zu bleiben. Auch die USA unterstützen, entgegen der offiziellen Doktrin des freien Wettbewerbs, ihre Wirtschaft bei diesem Thema massiv.

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Abbildungen:
1. Grafik „Miteinander von Mensch und Maschine“ (Bildrechte: Alexandra Ignatyeva, Shutterstock)
2. Foto Oliver Herkommer (Bildrechte: Ingenics)
3. Foto Dr. Jens Nitsche (Bildrechte: Ingenics)
4. Foto Andreas Hoberg (Bildrechte: Ingenics)

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Über Ingenics
Die Ingenics AG ist ein international tätiges innovatives technisches Beratungsunternehmen, das weltweit erfolgreich führende Unternehmen aus verschiedenen Branchen bei Planungs-, Optimierungs- und Qualifizierungsaufgaben entlang der gesamten Wertschöpfungskette berät.
Der Fokus liegt dabei vor allem auf den Kernbereichen Fabrik, Logistik und Organisation. Zu den Kunden gehört die Elite der deutschen und europäischen Wirtschaft. Über nationale Projekte hinaus ist die Ingenics AG ein gefragter Partner für die Planung und Realisierung weltweiter Produktionsstandorte, beispielsweise in Indien, China, den USA und Osteuropa.
Derzeit beschäftigt Ingenics 415 Mitarbeiter unterschiedlichster Ausbildungsdisziplinen. Mit hoher Methodenkompetenz und systematischem Wissensmanagement wurden in über 35 Jahren mehr als 5.100 Projekte erfolgreich durchgeführt. Ingenics begleitet seine Kunden durch das komplette Projekt, von der Konzeption bis zur praktischen Umsetzung der Pläne.

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