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Markenpiraterie: Und ewig lockt der Preis

Wie sich Unternehmen gegen gefälschte Produkte wehren können und warum auch Käufer Risiken eingehen

Schmuck, Taschen oder Kleidungsstücke bekannter Hersteller werden immer öfter über ausländische Internetangebote bestellt oder am Urlaubsort gern als Mitbringsel erstanden. Schließlich sind die ansonsten teuren Markenwaren dort meist deutlich günstiger zu haben als bei deutschen Händlern. Doch häufig erweisen sich die vermeintlichen Schnäppchen als billige Imitationen von mangelhafter Qualität. Während die Billig-Anbieter kräftig abkassieren, gehen den Originalherstellern Einnahmen verloren. „Markenpiraterie verursacht bei den betroffenen Unternehmen einen riesigen wirtschaftlichen Schaden“, sagt Marcus R. Lentz, Inhaber und Geschäftsführer der weltweit operierenden Detektei Lentz . „Deshalb sollte man nicht tatenlos zusehen, sondern aktiv dagegen vorgehen.“ Seine Detektive deckten kürzlich eine Fabrik in Asien auf, die im großen Stil gefälschte Taschen eines deutschen Markenherstellers produzierte. Der Experte erklärt, wie sich Unternehmen am besten gegen Produktplagiate zur Wehr setzen und welchen Risiken die Verbraucher durch den Kauf gefälschter Produkte ausgesetzt sind.

2013 beschlagnahmten die europäischen Zollbehörden knapp 36 Millionen Artikel, die in Verdacht standen, geistige Eigentumsrechte zu verletzen. Der Wert dieser Waren wurde auf etwas mehr als 768 Millionen Euro geschätzt. Zu den häufigsten beschlagnahmten Produkten zählten Kleidung (12 Prozent), gefolgt von anderen Waren wie Lampen, Batterien, Schuhcreme oder Waschmittel (11 Prozent), Arzneimittel (10 Prozent) und Zigaretten (9 Prozent). Hauptherkunftsland der unter Fälschungsverdacht stehenden Erzeugnisse ist China. Rund 66 Prozent aller sichergestellten Produkte stammten aus dem Reich der Mitte.

Fast alle Branchen und Produkte betroffen
„Nahezu alle Branchen sind von billigen Kopien und minderwertigen Fälschungen betroffen“, erzählt Marcus R. Lentz. „Es gibt quasi kaum Produkte, die nicht gefälscht werden.“ Und da die meisten davon in Asien produziert werden, ist die Lentz Gruppe mit ihrem Team von eigenen, festangestellten, orts- und sprachkundigen Detektiven vor Ort bestens für Ermittlungen im Bereich der Marken- und Produktpiraterie gerüstet. „Seit etwa 20 Jahren sind wir in ganz Asien im Einsatz und waren dabei bereits mehreren Unternehmen äußerst erfolgreich bei der Auffindung von Fälschungen sowie bei der Feststellung der Einfuhr- und Vertriebswege behilflich.“

Finanzielle Verluste, Imageschaden und gefährdete Arbeitsplätze
Der Handel mit Plagiaten blüht seit Jahren – zum Leidwesen zahlreicher Hersteller. „Allein der deutschen Wirtschaft entsteht durch die Verletzung geistiger Eigentumsrechte ein geschätzter Schaden von über 50 Milliarden Euro“, weiß der Chef-Ermittler. Neben dem finanziellen Verlust leidet auch das Image des Unternehmens, da die gefälschten Artikel nicht mit der Qualität der Originale mithalten können und somit kein gutes Licht auf die Marke werfen. Außerdem sind durch die illegalen Machenschaften letztlich auch zahlreiche Arbeitsplätze gefährdet – in Deutschland schätzungsweise bis zu 70.000 im Jahr. Klar, dass die Firmen daher ein großes Interesse daran haben, Produktpiraten das Handwerk zu legen. Hierbei kann die Detektei Lentz einen erheblichen Beitrag leisten. „Wir können hiesigen Unternehmen zum Beispiel dabei helfen, dass die Lagerräume der gefälschten Waren in Europa gefunden und die Produkte durch den Zoll beschlagnahmt werden können“, sagt Marcus R. Lentz. „Oder aber wir machen die meist im asiatischen Raum sitzenden Hintermänner ausfindig, um sie zur Verantwortung zu ziehen.“

Lieferanten sorgfältig auswählen
Auch die Hersteller selbst können im Vorfeld einiges unternehmen, um das Fälschen ihrer Produkte zu erschweren. „Unternehmen sollten ihre Lieferanten sorgfältig auswählen und die Schutzrechte in den Vertragsbeziehungen berücksichtigen, also sich zum Beispiel vertraglich absichern, dass Zulieferer die Produkte nicht auch an Dritte verkaufen“, erklärt Marcus R. Lentz. Ratsam sind zudem Kooperationen mit dem deutschen Zoll und Strafverfolgungsbehörden oder die Zusammenarbeit mit dem nationalen und internationalen Handelskammernetzwerk. Auch technisch gestaltete Kennzeichnungen wie Etiketten, Sicherheitslabels, Hologramme oder Magnetstreifen können helfen, Originale fälschungssicher zu machen. „Das A und O im Kampf gegen Markenpiraterie ist jedoch die Anmeldung gewerblicher Schutzrechte“, betont der Ermittlungsexperte. „Nur wenn diese für die Originalprodukte gesichert sind, ist es möglich, eine Grenzbeschlagnahme beim Zoll zu beantragen und zivil- und strafrechtlich gegen die Plagiate vorzugehen.“

Bei Verdacht auf Handel droht Gefängnis
Doch nicht nur die Fälscher, sondern auch Verbraucher können ins Visier von Zoll und Polizei geraten. „Was viele nicht wissen: Bereits der Kauf von Plagiaten kann unter Umständen strafbar sein“, warnt Marcus R. Lentz. Sind die Waren offensichtlich nur für den privaten Gebrauch bestimmt, kommt man in der Regel straffrei davon. Wenn allerdings der Verdacht besteht, dass die Produkte weiterverkauft werden sollen, wird der Zoll sie beschlagnahmen. Anzeichen für geschäftlichen oder gewerblichen Handel sind zum Beispiel der Kauf größerer Mengen eines Artikels. Dann drohen Bußgelder, je nach Aufenthaltsort im Ausland auch Geld- oder gar Gefängnisstrafen. Und nicht zuletzt kann der Schutzrechtinhaber rechtliche Schritte einleiten, die ein Strafverfahren und hohe Schadensersatzforderungen nach sich ziehen können.

Verbraucher setzen ihre Gesundheit aufs Spiel
Dass manchen Verbrauchern dabei jegliches Unrechtsbewusstsein zu fehlen scheint, findet der Geschäftsführer der Detektei Lentz sehr bedenklich: „Das Schlimme ist ja: 40 Prozent der unter 35-jährigen Europäer kaufen bewusst gefälschte Waren, also Produkte minderer Qualität.“ Bei vielen Artikeln setzen die Käufer wegen ein paar gesparten Euro sogar ihre Gesundheit aufs Spiel, zum Beispiel bei Sonnenbrillen, die häufig keinen UV-Schutz aufweisen, Textilien, die mit zweifelhaften Färbemitteln behandelt wurden, oder auch bei Medikamenten, die in vielen Fällen nicht zugelassene Inhaltsstoffe enthalten. Marcus R. Lentz rät daher, die Herkunft der Waren stets zu hinterfragen. „Kaufinteressenten können sich zum Beispiel – sofern bei Fälschungen überhaupt vorhanden – die Produkt- und Garantieinformationen näher anschauen. Oft findet man hier Rechtschreibfehler oder unsinnige Satzgefüge. Und im Zweifel sollte man eben doch lieber die Finger von dem Produkt lassen, auch wenn der Preis zu verlockend ist. Aber das ist ja eigentlich schon der allererste Hinweis auf ein mögliches Plagiat.“

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Laura ist seit Mitte 2015 als Redakteurin und Marketing Manager bei Business.today Network tätig. Zuvor machte Sie Ihren Master-Abschluss in BWL mit Schwerpunkt Marketing.

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