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Über 50 % der über 55-Jährigen wollen mehr Freiheit beim Urlaub – Klischee widerlegt

(Quelle: givve)
Die Generation 55 plus gilt als verlässlich, loyal – und angeblich wenig offen für Veränderung. Doch eine repräsentative Umfrage des Münchner Fintechs givve zeigt ein völlig anderes Bild: Mehr als die Hälfte der über 55-Jährigen wünscht sich heute flexiblere Formen der Erholung. Statt klassischer Urlaubsblöcke bevorzugen sie kürzere Pausen nach Bedarf oder selbstbestimmte Auszeiten. Damit sind sie treibende Kraft einer neuen Erholungskultur – und widerlegen das Bild der „unflexiblen Älteren“.

 

Erholung nach Maß statt Kalenderpflicht

Fast 60 Prozent der Befragten möchten sich vom starren Urlaubsmodell verabschieden. Ein Drittel (33,8 %) bevorzugt kürzere Auszeiten wie verlängerte Wochenenden oder einzelne freie Tage. Weitere 25,9 % wünschen sich völlige Autonomie darüber, wann sie Pause machen – unabhängig von Vorgesetzten oder festen Plänen.

„Der klassische Urlaub im Kalender ist für viele einfach durch – das passt nicht mehr zur Realität von heute“, sagt Patrick Löffler, Gründer und CEO von givve. „Erholung ist kein Block im Jahr, den man abhakt. Es geht darum, zwischendurch Kraft zu tanken, dann, wenn man’s braucht. Wer das selbst steuern kann, arbeitet besser, nicht weniger.“

Gerade die älteren Beschäftigten zeigen sich überraschend offen: 53 % der über 55-Jährigen bevorzugen flexible Modelle. Zum Vergleich: Bei den 36- bis 45-Jährigen sind es 64,5 %. Der Wunsch nach mehr Selbstbestimmung zieht sich damit durch alle Generationen.

Mentale Stabilität entsteht durch Nähe

Die Umfrage beleuchtet auch, was Menschen heute mental stabil hält. Dabei zeigt sich: Psychische Ausgeglichenheit entsteht nicht durch Hierarchien, sondern durch Nähe und Eigenverantwortung.

Für 35,3 % der Befragten ist der Austausch mit Familie und Freunden die wichtigste Stütze, dicht gefolgt von einem klaren persönlichen Rhythmus (33 %) und Selbstverantwortung (32,6 %). Eine motivierende Führungskraft nennen dagegen nur 24 %.

Für HR und Führungskräfte bedeutet das: Mentale Gesundheit lässt sich nicht „von oben“ organisieren. Sie entsteht in Strukturen, die Eigeninitiative, soziale Bindungen und flexible Pausen zulassen.

Neue Erholungskultur: Herausforderung für Führung und Organisation

Was früher „Urlaub“ hieß, wird heute zur eigenverantwortlichen Aufgabe. „Selbstbestimmte Erholung heißt, Verantwortung für sich zu übernehmen“, sagt Löffler. „Freiheit ist nichts für Faule. Sie ist für Menschen, die sich fragen: Wie erhole ich mich richtig? – und das dann auch ernst meinen.“

Für Unternehmen bedeutet das: Es braucht nicht mehr Urlaubstage, sondern mehr Entscheidungsspielräume. Flexible Pausenmodelle, Vertrauenskultur und eine offene Haltung gegenüber individuellen Lebensrhythmen werden zum strategischen Erfolgsfaktor – gerade in alternden Belegschaften.

Denn die neue Erholungskultur ist kein Wellness-Trend, sondern Ausdruck eines reifen, selbstverantwortlichen Arbeitsverständnisses – getragen von jenen, die schon lange im Berufsleben stehen.

(Quelle: givve Mental Health-Umfrage Deutschland 2025, durchgeführt im September 2025 von Appinio unter 1.000 repräsentativ ausgewählten Personen im Alter von 16 bis 65 Jahren.)

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Laura Langer
Laura Langer
Laura ist seit Mitte 2015 als Redakteurin und Marketing Manager bei Business.today Network tätig. Zuvor machte Sie Ihren Master-Abschluss in BWL mit Schwerpunkt Marketing.
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