Führung ist kein Erste-Hilfe-Paket

Dr. Thorsten Bosch rät in seinem Buch „Führung made in Germany“ zu Mitarbeiterführung mit System

Führung ist kein Erste-Hilfe-Paket
Dr. Thorsten Bosch (Bildquelle: Dr. Thorsten Bosch)

Dr. Thorsten Bosch berät seit 20 Jahren Unternehmer und Führungskräfte zum Thema Mitarbeiterführung. Im Laufe seiner Berufs- und Forschungspraxis hat er, gemeinsam mit weiteren Experten, die „Sprache der Führung“ entwickelt. Das ist eine Führungsstrategie, die den Unternehmenserfolg steigert, indem sie die Zugehörigkeitsgefühle der Mitarbeiter fördert und deren Bestleistung sicherstellt, statt auf rein rationale Kennzahlen- bzw. Prozessoptimierung zu setzen. Im Interview verrät er mehr über den Inhalt seines neuen Buches „Führung made in Germany“, das am 21. September erschienen ist.

Weshalb haben Sie diesen Titel gewählt?

Dr. Thorsten Bosch: „Made in Germany“ gilt allgemein hin als ein Label für Qualitätsarbeit, damit transportiert der Titel in mehrfacher Hinsicht das, was das Buch beinhaltet.
Erstens kann man in den Unternehmen gerade einen Trend ausmachen, der weg von der quantitativen Betrachtung und hin zur qualitativen Betrachtung geht. Das heißt, es geht nicht mehr nur um das „WAS“, also welches Ziel es zu erreichen gilt, sondern es rückt auch mehr und mehr das „WIE“ in den Fokus, also wie man an diese Ziele gelangt. Und damit sind wir bei Führung in ihrer qualitativen Dimension. Das „WIE“ zu bestimmen ist wesentlicher Kern von Führung. Und wie Führung mit Qualität gelingen kann, ist die zentrale Botschaft des Buches.
Ein weiterer Punkt: Wir haben in Deutschland mit der Tradition des Industrie- und Handwerksmeisters bereits ein gutes Vorbild für qualitative Führung. Durch eine verbindliche und verantwortliche Form der Führung begleitet der Meister einen Auszubildenden auf dem Weg zum Gesellen und steht somit für das Paradigma einer qualitativen Führung „made in Germany“ schlechthin. Das Buch ist auch als eine Anleitung zu lesen, wie diese Art der Führung auf andere Branchen und Bereiche übertragen werden kann.
Und der Titel gilt sogar in dritter Hinsicht: Auch das Buch selbst ist Qualitätsarbeit aus Deutschland. Es beinhaltet die Quintessenz des Wissens und der Erfahrungen, die ich in meiner langjährigen Tätigkeit als Berater für Führungskräfte sammeln konnte und wurde über zwei Jahre mit einem Expertenteam entwickelt und erstellt.

Ratgeber zum Thema Führung gibt es einige. Was unterscheidet Ihr Buch von anderen Büchern, die sich mit diesem Thema befassen?

Bosch: Der wahrscheinlich größte Unterschied ist der, dass die Ratgeber zu diesem Thema den Leuten unentwegt mitteilen, was sie tun sollen, aber nicht, wie sie es tun sollen – hier haben wir eine gewisse Analogie zum vorigen Punkt.
Zum Zweiten gehen diese Ratgeber oft davon aus, dass es ein isoliertes Problem gibt, für das man eine isolierte Lösung anbieten kann. Führung ist aber ein sehr umfangreiches und kompliziertes Gebiet. Das heißt, da wird es mit einem einfachen Rezept nicht getan sein, sondern es braucht bestimmte Voraussetzungen, Geisteshaltungen, Einstellungen und handwerkliche Fähigkeiten, damit die Herausforderung Führung bewältigt wird. Und das Buch führt systematisch von den Voraussetzungen über die Einstellungen und Haltungen der Führungskraft hin zu einer ganz konkreten handwerklichen Anleitung, wie man einen Mitarbeiter vom ersten Tag, an dem er seine Stelle antritt, anleitet und begleitet.
„Führung made in Germany“ leistet insofern zweierlei: Es vereint in sich System und Strategie zur nachhaltigen Mitarbeiterführung und enthält gleichzeitig die konkreten Verfahrensschritte.
Hinter all dem steht meine Überzeugung, dass der Mensch der elementare Teil der Wertschöpfungskette ist und bleibt. Der ökonomische Zeitgeist der letzten Jahrzehnte setzte jedoch überwiegend an der Gestaltung von immer kleinschrittigeren Prozessen und Systemen an. Der Mensch ist zusehends aus dem Blickfeld geraten. Für die Gestaltung der Zusammenarbeit in der Zukunft müssen der „Wirkungsgrad der Führung“ und dessen systematische Steigerung (wieder-)entdeckt werden. Insofern trieb mich auch die Botschaft an, wieder eine Balance in unser unternehmerisches Weltbild zu bringen.

Wer das Buch das erste Mal in die Hand nimmt, dem fällt wohl auch die Gestaltung ins Auge. Steckt hier eine besondere Intention dahinter?

Bosch: Ja, Menschen können sich Dinge besser einprägen, wenn diese visualisiert sind. Deshalb arbeite ich sehr viel mit Grafiken. Oft entwickle ich diese sogar im Laufe der Beratung gemeinsam mit den Kunden. Für das Buch habe ich zusammen mit meinem Team die Themen in monatelanger Arbeit in Informationsgrafiken „übersetzt“. Anhand derer lassen sich die Kernbotschaften einfacher erschließen und der Leser kann sie sich immer wieder ins Gedächtnis rufen. Außerdem können so Botschaften auf einer Seite transportiert werden, die in reiner Textform ein Vielfaches an Platz benötigen würden.

Frage: Sie nennen Ihr System/Führungsstrategie auch „die Sprache der Führung“ und beschreiben in Ihrem Buch acht Gesprächstypen: Ist Führung also in erster Linie Reden?

Bosch: Ja und Nein. Ja, denn jede Idee oder Neuerung, die auf der Leitungsebene ausgearbeitet und beschlossen wird, muss irgendwie vom Kopf der Führungskraft in den Kopf des Mitarbeiters übertragen werden. Und egal, ob es eine neue Form der Kundenorientierung, ein anderes Produktportfolio oder ein verbesserter Service ist, das funktioniert nicht ohne Sprechen.
Neben dem intellektuellen Überbau ist also das Reden die Kernaufgabe der Führungskraft. Ich möchte es aber lieber Gesprächsführung nennen, denn dabei sollen Hintergründe, Wissen und Ideen systematisch übertragen werden.
Und nein, denn damit diese Gespräche, in denen der Impuls gegeben wird, fruchten, gehört immer auch eine Vor- und Nachbereitung dazu, und diese beinhaltet natürlich viel mehr als nur Reden.

Frage: Was ist das Wichtigste, was eine Führungskraft beim Leiten der Mitarbeiter beachten sollte?

Bosch: Das Wichtigste gibt es nicht, denn Führung ist kein isoliertes Erste-Hilfe-Paket, sondern ein kontinuierliches Instrumentarium, das nur gelingen kann, wenn mehrere wichtige Dinge ineinandergreifen. Im Grunde zeigt das Buch da eine ganz logische Abfolge auf. Zunächst gilt es, drei Faktoren als Grundlage zu begreifen. Zum einen: Hat das Unternehmen die Voraussetzungen geschaffen, dass Führung überhaupt durchführbar ist? Die zweite Grundlage: Sind der Wille und das Potenzial der Führungskraft zu führen gegeben? Und die dritte Grundlage betrifft die Mitarbeiter selbst: Wollen diese tatsächlich diesen Job machen und sich führen lassen?
Wenn es schließlich um den Prozess des Führens selbst geht, ist das Wichtigste tatsächlich, die acht Gespräche zu kennen – also begonnen beim Vertrauensaufbau über Coaching bis hin zum Lob. Nur so kann man die Mitarbeiter dazu bringen, dass sie sich mit dem Unternehmen identifizieren und dass sie gerne eine hohe Leistung bringen, weil sie Sinn und Freunde in ihrer Tätigkeit sehen. Dazu gehört aber auch, dass nötigenfalls z.B. Update- oder Kritikgespräche geführt werden.

Wenn Sie eine Führungskraft einstellen müssten, welche Kompetenzen sollte er oder sie mitbringen?

Bosch: Den Begriff Kompetenzen möchte ich gerne um Persönlichkeitsmerkmale und Eigenschaften erweitern. Denn darauf würde ich vor allem achten. Also möchte der Bewerber unter anderem wirklich Menschen führen, kommuniziert er gerne, möchte er ein Vorbild sein und Verantwortung tragen und hat er auch die Bereitschaft, sich ggf. unbeliebt zu machen? Wenn diese Persönlichkeitsmerkmale oder Haltungen nicht gegeben sind, dann würde ich die Person nicht einstellen. Persönlichkeitsmerkmale oder Eigenschaften sind fest mit der Person verbunden und lassen sich, wenn überhaupt, nur langfristig verändern. An Kompetenzen im Sinne von Wissen und Fähigkeiten kann man hingegen arbeiten. Man kann sich weiterbilden, coachen lassen und viele Dinge noch lernen.

Unter folgendem Link können Sie bereits vorab eine Blick ins Buch werfen.
http://www.book2look.com/book/XDxC3EHHSE

Dr. Thorsten Bosch zählt in Deutschland zu den kompetentesten Beratern auf dem Gebiet der Führung und ist nicht nur Unternehmer, strategischer Berater und Trainer, sondern auch Wissenschaftler und Autor. Bereits kurz nach seinem Studium der Wirtschaftswissenschaften gründete er die Thorsten Bosch Beratungsgruppe GmbH, aus der 2007 die Dr. Thorsten Bosch AG hervorging. In dieser Zeit etablierte er das Unternehmen als ein großes unabhängiges Beratungs- und Trainingsinstitut im deutschsprachigen Raum mit dem Schwerpunktthema Führung. Er analysiert messerscharf, benennt die Schwachstellen deutlich und seine Methoden für deren Behebung sind harte Qualitätsarbeit. Unter seiner Ägide konnten so nachhaltige Veränderungsprozesse in national wie international führenden Unternehmen realisiert werden. Im September 2015 erscheint sein neuestes Buch. Unter dem Titel „Führung made in Germany“ präsentiert Dr. Thorsten Bosch darin übersichtlich aufbereitet“ die Sprache der Führung“, die er selbst im Laufe seiner Berufspraxis entwickelt und immer wieder erfolgreich in Unternehmen installiert hat.

Kontakt
Dr. Thorsten Bosch AG
Achim Berlitz
Am Eichet 3
86938 Schondorf am Ammersee
08192 933 733 0
aberlitz@bosch-ag.com
http://www.bosch-ag.com

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